Freitag, 1. Juli 2011

Nachwachsende Rohstoffe

Da gerade vermehrt das Schlagwort "nachwachsende Rohstoffe" in den Median auftritt, dachte ich mir, ein bißchen Aufklärung aus chemischer Richtung wäre hier ganz angebracht.

Dazu zunächst einmal zur Definition: Nachwachsende Rohstoffe oder auch Biomasse genannt ist im Prinzip alles, was einfach aus gut und einfach kultivierbaren Pflanzen gewonnen werden kann. Dazu gehören hier in Deutschland vor allem

  • Lignocellulose und Lignin aus Holz
  • Stärke aus einer Reihe stärkehaltiger Anbaupflanzen (wie z.B. Kartoffeln oder Mais)
  • Glukose (Traubenzucker) aus z.B. Zuckerrüben 
  • Fette aus Raps oder Leinsamen
Warum spricht mal also im Moment so viel über solche nachwachsenden Rohstoffe. Der Hauptgrund ist sicherlich die Energieproblematik. Wie wir alle wissen, ist die Energiewende beschlossene Sache und das liegt vor allem daran, dass wir mittelfristig kein Erdöl mehr zur Verfügung haben werden. Für einen Ersatz der Energiegewinnung aus Erdöl gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Kohle - ebenfalls fossil und daher endlich
  • Erdgas - nicht ausreichend
  • Atomenergie - nein, Danke!
  • Regenerative Energien - Sonnenenergie, Wind, Wasser, hier sind die Technologien noch nicht so weit ausgereift, dass diese unseren Energiebedarf umfassend decken können
  • Nachwachsende Rohstoffe - Biogas, Bioethanol, Biodiesel, auch hier muss viel mehr Forschung betrieben werden, damit die Prozesse effizienter werden
Die Forschung der energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe wird stark durch die Bundesregierung, aber auch auf EU-Ebene unterstützt. Natürlich sollte man dabei auch immer im Blick behalten, dass nachwachsende Rohstoffe nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit Verwendung für den Energiesektor finden dürfen. Schließlich möchte niemand, dass unsere Wälder ohne Aufforstung wie der Tropenwald abgeholzt werden sollen, oder die Landwirte nur noch Monokulturen aus Raps für die Bioethanol/Biodiesel-Herstellung betreiben. Vielmehr muss dabei auch die ökologische Bilanz gewahrt werden.

Ein Aspekt, der in der Öffentlichkeit leider häufig nicht angesprochen wird, ist die sogenannte stoffliche Verwertung nachwachsender Rohstoffe. Momentan werden ca. 30 % des Erdöls nicht für die Verbrennung/Energiegewinnung verbraucht, sondern für die Herstellung sogenannter Basischemikalien. Aus diesen Basischemikalien wird alles gemacht, was die Chemieindustrie zu bieten hat - Kunststoffe, Medikamente, usw. Diese alltäglichen Dinge werden wir natürlich auch in Zukunft brauchen.

Um es mal ganz überspitzt auszudrücken - Was bringt uns ein Auto, welches mit Solarzellen betrieben werden kann, wenn wir keine Kunststoffe mehr haben, aus denen wir das Auto bauen können?

Welche Alternativen zum Erdöl gibt es hier? Leider nicht allzu viele, im Gegensatz zur Energie, wo es möglich ist, eine Reihe alternativer Energiequellen zu nutzen, bleibt uns für die Synthese dieser Basischemikalien eigentlich nur die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen.
Hier gibt es allerdings noch einen erheblichen Forschungsbedarf. Es gibt momentan nur ganz wenige funktionierende Verfahren, die sich zur großtechnischen Produktion von Basischemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen eignen. Nachwachsende Rohstoffe, wie zum Beispiel Zucker unterscheiden sich sehr stark in ihrer chemischen Natur von Erdöl und man kann daher nicht die gleichen Verfahren anwenden, um sie in die gleichen Basischemikalien umzuwandeln.

Auch in diesem Bereich fördert zum Glück die Bundesregierung Forschungsgruppen. Es muss allerdings gesagt werden, dass im Gegensatz zur Energieforschung, wo bereits einige Anwendungen vorliegen, die Forschung zur stofflichen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen noch in den Kinderschuhen steckt!

1 Kommentar:

  1. Vielleicht hier noch ein ganz interessanter Artikel dazu aus der NZZ: http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/wissenschaft/chemikalien_aus_der_bioraffinerie_1.587429.html.

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