Sonntag, 13. November 2011

Nanopartikel & Co.

Seit einiger Zeit gibt es eine heftige Debatte über Nanopartikel in den Medien. Gerade heute habe ich einen Artikel über die Auswirkung von Nanoteilchen auf das Algenwachstum bei spiegelonline gelesen. Zugegebenermaßen bin ich kein Experte auf diesem Gebiet und werde es wohl auch nicht mehr werden. Trotzdem möchte ich ein paar Punkte zu diesem Thema ansprechen.
Zum einen, was ist eigentlich die Definition von Nanopartikeln? Nach Wikipedia sind Nanoteilchen oder -partikel Verbünde von wenigen bis einigen Tausenden Atomen oder Molekülen, deren Größe 1 bis kleiner 100 nm im Durchmesser beträgt. Nach dieser Definition wären so z.B. auch viele Proteine Nanoteilchen. Es ist also erst einmal wichtig zu klären, dass mit den Nanoteilchen, die durch die Presse gehen, eine bestimmte Art gemeint ist. Am häufigsten werden hier Kohlenstoffnanoteilchen diskutiert. Solche können in Form von kleinen Graphitschichten (Carbon black oder Industrieruß), 
Carbon black               

Kohlenstoffnanoröhren oder auch als Kohlenstoffbälle (Fullerene) vorliegen. Weitere Nanopartikel sind häufig kleine Verbände von Metallen (z.B. Goldnanopartikel in Schwangerschaftstests) oder Metalllegierungen in der Elektronik.
Kohlenstoffnanoröhrchen
Warum diskutiert man eigentlich jetzt so heftig über Nanopartikel? Ich denke, dass wie bei jeder technischen Neuerung zunächst eine Menge Unwissenheit und Angst vorherrscht. Es gibt noch nicht ausreichend Tests um die Langzeitwirkung von Nanopartikel auf lebende Organismen aufzudecken. Darüberhinaus ist auch, wie oben schon angedeutet, die Definition gar nicht so einfach. Werden nur "neuartige Partikel" gemeint? Oder nimmt man auch Nanopartikel wie TiO2 in Zahnpasta oder Farbe hinzu? Nanopartikel werden nicht erst seit einigen Jahren verwendet, sie sind schon seit langer Zeit Bestandteil unseres Lebens. Wenn man nun alle existenten Nanopartikel evaluieren wollen würde, dann wäre das quasi eine unendliche Aufgabe. Aufgrund dieser Probleme mit der Definition gibt es auch bisher keine Kennzeichnungspflicht für die Verwendung von Nanopartikeln in Produkten.
Was sind denn jetzt eigentlich die Gefahren von Nanopartikeln? Klar ist, dass sich durch die Größe der Partikel alleine (egal welcher Natur) einige physikalische Eigenschaften geändert werden. Nanopartikel, die in Aerosolen oder Sprays vorliegen, können beim Einatmen in die Lunge gelangen, was dort passieren kann, nun, das kennen wir vom Asbest. Wenn man Nanopartikel oral zu sich nimmt, zum Beispiel in Form von Medikamenten, dann können diese aufgrund ihrer Größe über den Darm in die Lymph- und dann die Blutbahn gelangen. Dies kann aber die gewünschte Wirkung sein. Wissenschaftliche Studien sind generell rar. Was Studien wie die oben im Spiegel-Artikel angesprochene angeht, diese werden in den Medien häufig aus dem Kontext gerissen und deuten auf keinerlei "echte" Gefahren hin.
Meiner Meinung nach machen die Medien hier die falsche Politik. Bislang gibt es nach meinem Wissen keine eindeutig belegten Negativfolgen der Anwendung von Nanopartikeln, hingegen ist ihr Nutzen in vielen Fällen bereits belegt. Um es ganz klar zu sagen, nach meiner Meinung nach gibt es hier kein "Gut oder Schlecht", "Schwarz oder Weiß" mit Nanopartikel. Es hängt vod der Art des einzelnen Partikels ab, nach der Anwendung und nch der Verarbeitung. Die größte Gefahr durch Nanopartikel ist momentan die Panikmache durch die Medien.
Wer die Chance hat, sollte einmal in den "Nano-Truck" des BMBFs gehen. Hier erfährt man z.B., wo Nanopartikel heute bereits intensive Anwendung finden.
Zusammenfassend, ich bin weder generell pro noch contra Nanopartikel. Wie mit jeder anderen Chemikalie auch gilt es Vorsicht walten zu lassen, man sollte technischen Fortschritt jedoch auch nicht behindern. Was meint ihr?

Bilder adaptiert von: http://www.tradekorea.com/products/0511/Carbon_Black.html; http://www.guardian.co.uk/science/2009/jun/15/carbon-nanotubes-immune-system-nanotechnology